Schematherapie
alte Muster verstehen und neue Wege entwickeln
Warum ich mit Schematherapie arbeite
Schematherapie ist für mich mehr als eine therapeutische Methode. Sie ist eine Art, menschliches Verhalten zu verstehen. Mich überzeugt besonders der Gedanke, dass unsere Reaktionen, Beziehungsmuster und manchmal auch psychosomatischen Beschwerden selten einfach „aus dem Nichts“ entstehen. Vieles von dem, was uns heute Schwierigkeiten bereitet, hat eine Geschichte.
Bereits in der frühen Kindheit entwickeln wir auf Grundlage unserer Erfahrungen Vorstellungen darüber, wie wir selbst sind, wie andere Menschen sind und was wir tun müssen, um mit schwierigen Situationen zurechtzukommen. Was uns damals geholfen hat, kann uns als Erwachsene jedoch irgendwann im Weg stehen.
Auch die Forschung zeigt, dass Schematherapie bei verschiedenen psychischen Problemen nachhaltige Veränderungen unterstützen kann und insbesondere für langfristige therapeutische Entwicklungen interessante Ergebnisse zeigt.
Schemata und Modi
warum alte Muster so hartnäckig sind
Ich stelle mir unsere inneren Muster gerne wie verschiedene Gemüsebeete vor.
Jedes Beet steht für ein bestimmtes Schema – also ein tief verankertes Muster, das durch bestimmte Situationen, Beziehungen oder Konflikte aktiviert werden kann. Innerhalb dieses Beetes entstehen über die Jahre immer wieder die gleichen Wege: die Furchen. Sie stehen für unsere Modi – also die typischen Arten, wie wir in bestimmten Situationen denken, fühlen und handeln.
Was in unserer frühen Entwicklung angelegt wurde, wird durch wiederholte Erfahrungen immer weiter eingeprägt. Wie eine Furche, die mit jedem Durchgang tiefer in die Erde gezogen wird. Irgendwann laufen wir fast automatisch darin entlang, ohne noch bewusst wahrzunehmen, dass es überhaupt eine Furche gibt – und schon gar nicht, warum wir immer wieder genau dort landen.
Vielleicht reagieren wir in einem bestimmten Konflikt immer wieder mit Rückzug. In einer anderen Situation werden wir kontrollierend, besonders angepasst oder plötzlich hilflos. Die Situation ist neu – die Reaktion fühlt sich trotzdem erstaunlich vertraut an.
In der schematherapeutischen Arbeit geht es für mich deshalb darum, diese alten Furchen sichtbar zu machen. Zu verstehen, welches Schema gerade aktiviert wurde, welcher Modus übernimmt und welche Bedürfnisse dahinterliegen.
Und dann geht es darum, neue Wege entstehen zu lassen: alte, unbrauchbare Furchen nicht einfach zuzuschütten, sondern neue Erfahrungen zu ermöglichen und andere Reaktionsmöglichkeiten einzuüben. Damit langfristig etwas anderes wachsen kann – etwas, das heute besser zu Ihnen und Ihrem Leben passt und dessen Früchte Sie irgendwann selbst ernten können.
Eigene Muster erkennen und verstehen
Ein wichtiger Schritt in der Schematherapie ist, die eigenen Modi immer schneller erkennen zu können.
Vielleicht kennst du das?
In einer bestimmten Situation reagierst du plötzlich ganz anders, als du es eigentlich möchtest. Du wirst hart und kontrollierend, ziehst dich zurück, versuchst es allen recht zu machen oder fühlst dich plötzlich klein, hilflos oder ausgeliefert.
Unsere Modi als Kostüme vorstellen
Ich stelle mir die Modi gerne wie verschiedene Kostüme vor, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben anzuziehen.
Vielleicht schlüpfen wir in das Kostüm eines strengen Lehrers, um Kontrolle zu behalten. In das Kostüm eines Elternteils, der alles im Griff haben muss. In die Rüstung eines Soldaten, der keine Schwäche zeigen darf. Oder in das Kostüm eines hilflosen Kindes, das sich zurückzieht und darauf wartet, dass jemand anderes die Situation löst.
Die Schematherapie hilft dabei, schneller zu erkennen: In welches Kostüm bin ich gerade geschlüpft? Welches Schema wurde dadurch aktiviert? Und vor allem: Welches Bedürfnis steckt eigentlich darunter?
Ziel der
Schematherapie
Stärkung des gesunden Erwachsenen in uns
Mit Methoden wie Imagery Rescripting und der Leere Stuhl-Arbeit können wir uns diesen alten Erfahrungen auf eine neue Weise nähern.
Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit umzuschreiben. Vielmehr können wir sie aus der Perspektive des heutigen, gesunden Erwachsenen neu betrachten und mit Ressourcen, Schutz und Verständnis ergänzen, die damals vielleicht gefehlt haben.
Der gesunde Erwachsene lernt dabei zunehmend, die alten Modi wahrzunehmen, ihre Funktion zu verstehen und gleichzeitig neue Entscheidungen zu treffen. So entsteht nach und nach mehr Wahlfreiheit: Ich bin nicht mehr meinem alten Muster ausgeliefert.
Ich kann erkennen, welches Kostüm ich gerade trage – und entscheiden, ob ich es wirklich noch brauche.
Schematherapie in der Paartherapie?
Schematherapie eignet sich nicht für eine gemeinsame Paartherapiesitzung zu dritt. Ich arbeite jedoch gerne und erfolgreich schematherapeutische Elemente in Einzelsitzungen ein, wenn bestimmte persönliche Muster die Paarbeziehung immer wieder beeinflussen.
In der Einzelarbeit können wir die eigenen Schemata und Modi genauer verstehen und verändern. Diese Erkenntnisse lassen sich anschließend ganz konkret für die gemeinsame Beziehungsarbeit nutzen.
So kann Schematherapie eine wertvolle Ergänzung zur Paartherapie sein – insbesondere dann, wenn sich bestimmte Konflikte immer wiederholen und trotz guter Kommunikation nicht nachhaltig verändern.
